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Klassische Musik und Oper von Classissima

Plácido Domingo

Samstag 3. Dezember 2016


Crescendo

22. November

Kontrovers: die Stadion-Aida - Was bringt Domingos viel zu große Opern-Show?

CrescendoPlacido Domingo plant mit einer “Aida”-Produktion durch Fußballstadien zu tingeln. Man könnte Klassik auch anders unter das Volk bringen, findet unser Kolumnist. Von Axel Brüggemann Groß, größer – Domingo. Es gibt wohl keinen lebenden Sänger, dessen Karriere so gigantisch, so vielfältig und in allen Belangen so genial verlaufen ist wie jene von Placido Domingo (und auch unter den Nichtlebenden wird es schwer, einen wie ihn zu finden). Domingo das Zarzuela-Kind, das Tenor-Genie, die Jahrhundert-Stimme, der Drei-Tenöre-Miterfinder, der Intendanten-Aufmischer in Los Angeles und der zumindest schmackige Dirigent. Anders als viele andere Sänger hat er es geschafft, auch im hohen Alter (offiziell gibt er 75 Jahre an) würdevoll weiter zu machen. Standbeine hat er genug, und selbst als Sänger ist er noch immer beeindruckend, etwa als Macbeth in Wien oder als Gianni Schicchi auf der aktuellen Sony-DVD, als Nabucco oder Francesco Foscari auf den Bühnen der Welt. Der Mann hat in seinem Leben ziemlich vieles ziemlich richtig gemacht – und seine Stimme ist wahrlich gesegnet. So einer wie Domingo darf inzwischen alles. Und diese Freiheit nimmt er sich. Sein neuester Scoop ist allerdings ein wenig fragwürdig. Im Sommer 2017 will er Verdis „Aida“ als Massen-Produktion durch Europa touren lassen: Gelsenkirchen, Hamburg, Wien, Frankfurt, Brüssel, Paris und Stockholm – das große Triumph-Marsch-Finale soll dann im Münchner Olympiastadion stattfinden. Domingo selber fungiert als künstlerischer Direktor und als Dirigent, die Regie soll Stefano Trespidi übernehmen, ein enger Mitarbeiter Domingos in Los Angeles, geschult in der Arena von Verona und Ziehkind von Opulenz-Opernmachern wie Franco Zeffirelli, Giancarlo Del Monaco und Graham Vick. Mit anderen Worten: Es dürfte solide, golden und prunkvoll zugehen bei dieser „Aida“ samt LED-Leidnwänden. Die Werbung läuft bereits großmäulig auf Hochtouren: „Aida – The Stadium World Tour“, „Das monumentale Opern-Erlebnis 2017“, „Aida – faszinierend wie nie!“ Neues Publikum? – Kaum! Domingo selber glaubt, dass Veranstaltungen wie diese „Aida“ ein neues Publikum zur Oper bringen würden. Genau das sagt er schon seit Jahrzehnten. Auch, wenn man ihn auf die „Drei Tenöre“ anspricht, erklärt er routinemäßig, wie viele neue Zuschauer Big P., José Carreras und er durch ihr gemeinsames Auftreten für die Oper gewonnen hätten. Statistisch lässt sich das schlecht beweisen. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass sich diejenigen, die sich eine „Drei Tenöre“-CD gekauft haben anschließend auch die Gesamtaufnahme von „Otello“ zugelegt haben. Es geht an dieser Stelle um die Frage, wann klassische Musik es schafft, zum Event zu werden – und ob sie das überhaupt schaffen muss. Bei Domingo funktioniert das inzwischen so, dass es reicht, wenn er ein Event bekanntgibt. Im Fall der „Aida“ ist das Rest-Ensemble dann auch relativ egal (Liudmyla Monastyrska, Ekaterina Gubanova, Jorge de Leon und Erwin Schrott sollen an dieser Produktion mitwirken). Die Klassik – und die Oper allemal – hat es heute schwer, überhaupt noch durchzudringen. Rezensionen auch aus kleineren Häusern sind weitgehend aus den überregionalen Feuilletons verschwunden. Im Internet, aber auch im Print, kommt sie hauptsächlich in Nischen vor, auf speziellen Seiten oder in Fachmagazinen – hier erreichen sie ein Publikum, das bereits klassisch sozialisiert ist. Wenn die Oper dann doch einmal in die breite Öffentlichkeit gelangt, ist sie meist an große Namen oder besondere Orte gebunden: Egal, wo Anna Netrebko mitsingt – allen ihre Mitwirkung scheint für viele Medien bereits ein Garant zu sein, dass ein öffentliches Interesse besteht. Oder es sind die großen Festivals, die Open-Air-Events, die „aufgeblasene Oper“, die einen Widerhall in einer breiten Öffentlichkeit bekommt. Echoräume der Klassik Wenn wir derzeit so viel über „Echoräume“ sprechen, darüber, dass Menschen auf Grund einer sich wandelnden Medienlandschaft nur noch von jenen Nachrichten erreicht werden, die sie sowieso interessieren, dann ist auch die Klassik längst in einem Echo-Raum eingerichtet, in dem allerhand Freaks (und das ist liebevoll gemeint) sich gegenseitig Fachwissen und Meinungen um die Ohren hauen. Die Momente, in denen sie diesen Raum verlässt, sind dabei nicht immer Erfolgsgeschichten: Etwa die unsägliche „Traviata“ von Sofia Coppola und Valentino, die kürzlich ausgestrahlt wurde, aber auch Veranstaltungen wie der „ECHO Klassik“ sind zwiespältig. Etwa wenn die Veranstaltung von Thomas Gottschalk bereits mit einer Art „Beipackzettel“-Moderation eröffnet wird, dass es nun wirklich sehr schwer würde, und dass er sich wundert, wie man das durchalten soll – schließlich ginge es ja nun um – oh Gott! – klassische Musik. Kein Wunder, dass die Zuschauerkurve nach dieser Anmoderation ziemlich schnell nach unten gefallen ist. Vielleicht wäre es an der Zeit, darüber nachzudenken, wie man die Klassik besser aus ihren Echoräumen holen könnte. Was die Musik so besonders macht ist zunächst ihre Schönheit, die Möglichkeit des pathetischen Ausdrucks, etwas ausdrücken zu können, das in anderen Künsten auf diese Art vielleicht nicht auszudrücken ist. Vielleicht ist es auch die Leidenschaft der Künstler, die Atmosphäre des Kunstortes, der den Charme der Musik ausmacht. Zu beobachten wäre all dieses übrigens an fast allen deutschen Stadttheatern. Domingos „Aida“-Projekt und ein Großteil der klassischen Musik, wie sie in unseren überregionalen Medien vorkommt, scheint indes zu glauben, dass Stars und Größe automatisch dafür sorgen, ein neues Publikum langfristig an die Musik zu binden. Eine These, die zumindest bezweifelt werden darf: Das große Entertainment und das gleichzeitige, scheinbare Kleinmachen und Lustigreden der Musik ist eben nicht, worum es in dieser Kunst eigentlich geht. Klassik ist immer auch die Lust daran, sich einzulassen, hinzugeben, das Außen abzuschalten, Zeit zu haben, weiter zu suchen – dem Unerreichbaren auf der Spur zu bleiben. Mit anderen Worten: Das Bild der leicht konsumierbaren Kunst ist ein Trugbild, das spätestens beim ersten richtigen Opernbesuch oder beim Kauf einer Gesamtaufnahme einen herben Dämpfer bekommt. Die Verpackung des Events verspricht ein falsches Geschenk, denn nach dem Auspacken ist die klassische Musik viel größer, viel tiefer, viel fordernder als all das, was uns oft so bunt und kleingeredet vorgegaukelt wird. Es ist schwer, einen Dinosaurier in eine Ringschachtel zu packen. Warum nicht Wozzeck? Natürlich ist es zunächst einmal ein gutes Anliegen, Opern überhaupt „unter das Volk“ zu bringen. Aber wie wäre es, wenn Placido Domingo einmal auf „Wozzeck“ setzen würde oder auf „Parsifal“. Ja, warum überhaupt trauen sich Opern-Vermittler wie Domingo oder andere nicht an Werke, die uns und unserer Wirklichkeit viel mehr zu sagen hätten: „Blaubarts Burg“, „Die Soldaten“, „Lulu“, „Moses und Aron“ – all das sind längst ebenfalls Opern-Klassiker, die unserer Zeit entsprechen, weil sie radikal sind, kantig und kontrovers. Und was, wenn das Fernsehen statt vieler kleiner Häppchen wagen würde, einen Marathon zu präsentieren, eine komplette Oper mit Blicken hinter die Kulissen, mit leidenschaftlichen Gesprächen – einen Abend, auf den man sich einlassen muss. Ein TV-Event, das nicht am Kern der Musik vorbei segelt, sondern den Kern an sich immer wieder thematisiert: die Leidenschaft, das Große, das Komplexe? Mit Formaten wie „Aida im Olympiastadion“ hat die Musik zwar die Chance, auch in andere Echoräume zu dringen, aber dafür macht sie sich in all ihrer Aufgeplustertheit kleiner als sie eigentlich ist. Sie suggeriert ihre Größe lediglich als Spektakel, das an den außergewöhnlichen Ort und an die außergewöhnliche Ausstattung gebunden ist. Das wahre Spektakel der Oper aber ist ihre Intimität. Diese Nähe könnte man in vielen Städten allabendlich an Stadttheatern erleben. Wäre das nicht wirklich revolutionär und populär, wenn man Deutschlands Opernszene multimedial vernetzen würde. Schließlich funktioniert die Bundesliga auch, obwohl es neben Bayern auch den HSV und Werder Bremen gibt. Warum kehren unsere Medien nicht an das Stadttheater zurück, wo Klassik Arbeit, Leidenschaft und alltägliche Auseinandersetzung bedeutet? Meine Vision für die Oper im Fernsehen der Zukunft: Die Live-Übertragung aller Stadttheater-Premieren auf einem eigenen Sender (oder Stream), so dass sich die einzelnen Häuser in Deutschland an ihren „Aidas“, „Traviatas“ und „Carmens“ vergleichen lassen können, uns aber auch ihre „Wozzecks“, „Blaubärte“ und „Lulus“ zeigen. Das würde ganz nebenbei übrigens auch die etwas eigeschlafenen Ambitionen der Häuser wecken. Die überregionalen Feuilletons unserer Zeitungen haben die Stadttheater längst aufgegeben. Es ist Zeit, dass das Fernsehen oder das Netz sie zurückerobert – und das Publikum, das in Oldenburg, Nürnberg oder Leipzig seine eigene „Aida“ sehen könnte. Vielleicht ohne Placido Domingo – dafür aber nahe an den Künstlern und ohne die Oper über Preis und gleichsam mit billigem Klischee zu verkaufen.

musik heute

26. November

Domingos Kuba-Konzert wegen Staatstrauer abgesagt

Havanna – Der spanische Tenor Plácido Domingo hat nach dem Tod des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro ein Konzert in Havanna streichen müssen. Die vom Staatsrat ausgerufene neuntägige Staatstrauer verbiete alle öffentlichen Veranstaltungen, weshalb das für [...] The post Domingos Kuba-Konzert wegen Staatstrauer abgesagt appeared first on MUSIK HEUTE .






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