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Klassische Musik und Oper von Classissima

Plácido Domingo

Freitag 24. März 2017


Crescendo

7. März

Wunderkind und Künstlergreis - Wunderkind

CrescendoSie werden ausgestellt wie Schlangenfrauen im Zirkus, die Wundermädchen und Wunderknaben. Lässt der „Kindheits-Hype“ nach, wird es schnell eng in der Künstlerluft über dem Mittelmaß. Endlich reif, angesehen und erfahren, verpassen viele den perfekten Moment, um zu gehen. Man muss jung sein, um große Dinge zu tun“, meinte Goethe im hohen Alter. „Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder“, wusste der jung verstorbene Kollege Schiller. Doch des Dichters weise Sprüche braucht es heute nicht. „Einst Prügel schon als Säugling“, hieß es 2014 in der „Welt“ recht flott, „später Freiheit bar jeder Autorität – und nun Förderung um jeden Preis.“ Bloß nichts zu verpassen, scheint die Devise unseres Zeitalters der Optimierung und maximalen Ausschöpfung von Ressourcen. Zeitfenster werden aufgestellt, die Eltern in Torschlusspanik versetzt. Bis zum vierten Lebensjahr sollte die Motorik ausgereift sein und eine zweite Sprache dazukommen. Eine Musikerkarriere startet am besten zwischen dem dritten und dem zehnten Lebensjahr. Hochbegabte Kinder spüren, was das bedeutet. Üben, üben, üben, um die Erwartungen und Projektionen des Publikums zu erfüllen, die Ahnung von etwas Höherem. „Heute hast Du wieder bewiesen, dass es einen Gott im Himmel gibt“, schrieb Albert Einstein dem 13-jährigen Yehudi Menuhin. Thomas Mann widmete dem neunjährigen Klaviertalent Loris Margaritis, das er 1903 in einem Konzert in München erlebte, eine ganze Erzählung („Das Wunderkind“). „Und der Applaus bricht los, einmütig, gerührt, begeistert …“, heißt es dort. „Bravo, kleiner Saccophylax … ein Teufelskerl!“ mit dem „harmloseste(n) Kindergesichtchen von der Welt“. Jung, schön und genial. Das hat Sexappeal. Nicht für Mitsuko Uchida. Eine seltsame Vorliebe sei es, wenn hochbegabte Kinder so bestaunt werden wie Schlangenfrauen oder Tellerwerfer im Zirkus. „Fragen Sie das Publikum doch einmal, ob es vor Gericht von einem Siebenjährigen vertreten oder von einem sehr begabten Achtjährigen operiert werden will.“ Weder Uchida noch andere konnten als Kind mit einer „Instantkarriere“ dienen. Und sind nicht traurig darüber. „Wunderkindkrankheit“ beschrieb Jascha Heifetz, selbst ein Wunderkind, die Zusammenbrüche der jungen Kollegen, die den Sprung zum bewussten Künstler nicht schafften und verzweifelten, weil sich die Verzauberung des Publikums neuen Wundern zuwendete. „Bei uns geht es nicht um Fähigkeiten“, sagt der Geiger Christian Tetzlaff, „sondern ums Erzählen von Inhalten … Bei einem Kind kann man noch gar nicht wissen, ob es nur gut imitieren kann oder ob es wirklich darauf brennt, Musik zu erzählen.“ Das brauche Zeit. Beharrliche Aufbauarbeit aber zahle sich aus. Aus der Sicht des Musikers. Nicht aber der Manager, die gerne Karrieren im Prestissimo planen. Heute Konservatorium, morgen die Met. „Leider werden die meisten Talente zu früh entdeckt und zu Tode vermarktet“, beklagt Jan Vogler. Ingolf Turban stellt fest: „Es ist erschütternd, was da mit Kindheiten angestellt wird, wie Begabung zur Schau gestellt und missbraucht wird. Kommt das Kind dann in die Pubertät, kracht es oft ins Vakuum zusammen. Für die Scherben interessiert sich dann niemand mehr.“ Und auch der – noch junge – Geiger Renaud Capuçon warnt: „Die Gefahren für einen jungen Musiker sind heute sehr groß, es gibt die sozialen Netzwerke, die ihnen das Gefühl vermitteln, sehr rasch sehr bekannt zu sein, entsprechend der Anzahl ihrer ,Freunde‘ auf Facebook oder Twitter oder Instagram. Die Gefahren liegen auch im Anreiz dessen, was glänzt.“ Frei nach Georg Christoph Lichtenberg: „Der Mensch ist verloren, der sich früh für ein Genie hält.“ Andererseits: Was wäre Jugend ohne Begeisterung? Ohne die Zuversicht, es auf alle Bühnen der Welt zu schaffen? Wohl wie das Alter ohne Erfahrung. Und der Musikbetrieb in Deutschland nährt ja jede Hoffnung. Kein Konzerthaus mehr ohne Bühne für „Junge Wilde“, kein Opernhaus mehr ohne Opernstudio, keine Stiftung, Bank oder Konzern, die nicht einen Preis, ein Stipendium ausschreibt. Ein Wettbewerb jagt den nächsten, ob in Brüssel, München, Cardiff oder Bamberg, von „Jugend musiziert“ über den ARD-Wettbewerb bis hin zum Young Singers Project der Salzburger Festspiele. Agenten, Journalisten befördern das Geschäft. Sie alle wollen die Sensation: den neuen Horowitz, Caruso und Co. Bitter also, wenn man mit Anfang 30 trotz Auszeichnungen, unzähliger Probespiele und verschickter Demotapes an Agenten und Plattenfirmen manchmal vom letzten Wettbewerbsgeld lebt. „Ich habe nie über Alternativen nachgedacht“, sagt eine junge Musikerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Mit 15 war klar, dass ich Musik studieren werde. Natürlich bleiben Leute auf der Strecke, mir passiert das aber nicht, dachte ich.“ Vielleicht nicht gut oder attraktiv genug? Keine Lobby, kein Geld hinter sich? Die gnadenlose Konkurrenz? Schließlich steht dem eklatanten Nachwuchsmangel an den Musikhochschulen der 1960er heute ein Überangebot gegenüber. „Tausend schöne, täuschende Genien umschweben unsere Jugend. Nach und nach entschwindet das Gedränge, und die Aussicht wird freier. Das nennen wir dann Erkenntnis“, könnte man mit dem Aphoristiker und Pädagogen Johann Jakob Mohr meinen, der dies im 19. Jahrhundert schrieb. „Letztlich entscheidet das Schicksal, die Vorsehung oder der liebe Gott über eine Karriere“, sagt Gustav Kuhn, Leiter der Tiroler Festspiele und des Wettbewerbs Neue Stimmen der Bertelsmann-Stiftung. Aus Japan, dem Land der Wunderkinder (!), kommt das Sprichwort: Ein 10-jähriges Wunderkind wird zu einem 15-jährigen Talent, bevor es 20-jährig dem Mittelmaß angehört. In Japan mag dies einem Gesichtsverlust gleichkommen, aber in Deutschland? Was spricht gegen das Glück in der Mitte? Die meisten Musiker hier sind keine Superstars, aber auch keine hungernden Künstler. In Deutschland fließt – wie in keinem anderen Land – Musik so selbstverständlich wie Wasser und Strom, bis in den entlegensten Ort. Keine Kleinstadt ohne Konzertreihe, Konzerthaus, Orchester oder Musik(hoch)-schule. Der Bedarf an Pädagogen und Interpreten ist sehr groß und wird vielfach mit Künstlern aus Osteuropa gedeckt. Zugegeben: Es ist nicht glamourös, wenn eine junge Frau einst für die nächste Callas gehalten wurde und nun an einer Dorfmusikschule ihr Einkommen mit Gesangsstunden bestreiten muss; wenn ein junger Mann sich eine große Solistenkarriere versprach und nun ein Dasein als „Tuttischwein“ im Orchester fristet. "Kürbis van Beethoven", Anna-Sophie Jürgens Doch selbst, wenn man es auf die große Bühne geschafft hat, bleibt die bange Sorge: Wie schafft man es, jahrzehntelang im Gespräch zu bleiben, wie Anne-Sophie Mutter, die jetzt ihr 40. Jubiläum feiert? Oder Cecilia Bartoli, deren Koloraturen nicht mehr das sind, was sie einst waren, deren Name dennoch in aller Munde ist. „Um eine Karriere nachhaltig zu gestalten, ist es wichtig, sich immer wieder neu zu erfinden“, sagt Karin Heinrich, die langjährige Managerin und Beraterin von Roger Cicero. Dazu gehöre eine klare Haltung und Mut, „denn die Branche denkt gerne in Schubladen und lebt ganz gut davon, erfolgreiche Projekte so lange wie möglich zu kopieren.“ Weiterentwicklung sei das Zauberwort. „Sich treu bleiben, aber neue Projekte ausprobieren. Raus aus der Komfortzone!“ Möglichst also doch nicht alt werden?! Allgemein gilt für Stars ebenso wie für die anderen: In der Kunst des Rücktritts beweisen nur wenige die Kunstfertigkeit des Rennfahrers Nico Rosberg, der sich mit 31 Jahren, auf dem Höhepunkt einer Karriere, zurückzog. Mittelalterliche Potentaten wurden geköpft, erschlagen, vergiftet, Politiker abgewählt. Und der Künstler? Die meisten ergreift die Panik. Schließlich hat man alles eingesetzt, die Bühne wurde zur zweiten Natur. Es droht der Identitätsverlust. Viele hangeln sich von Abschiedstournee zu Abschiedstournee, schlüpfen in die Rolle des „elder statesman“ in Meisterkursen, ändern auch mal das Fach, wie der Tenor Plácido Domingo, der heute mit Bariton-Partien auftritt. Sänger werden zu Rezitatoren, Cellisten zu Dirigenten. José Carreras räumt in seltener Ehrlichkeit ein: „Langsam, langsam“ versuche er das zu beenden, „was ich 1970 angefangen habe.“ Langsam. Damit „es kein allzu großer Schock für mich“ wird. Doch irgendwann muss jeder gehen. Es sei denn, man stirbt im Bühnenkostüm wie Molière oder macht es wie Yehudi Menuhin. Als die Aura des Wunderkindes dahin war, schuf er sich eine neue: die des Heiligen, des Künstlers der Versöhnung. Oder Günter Wand, der nach Jahrzehnten als Lokalmatador in Köln mit 70 eine erstaunliche internationale CD-Karriere hinlegte. Nicht er habe eine Karriere verpasst, sondern der Musikbetrieb habe ihn verpasst, kommentierte er seinen späten Ruhm. Noch besser ergeht es Komponisten: Heinrich Schütz schrieb 86-jährig sein berühmtes „Magnifikat“, Johann Sebastian Bach wenige Jahre vor seinem Tod die „h-Moll-Messe“ und die „Kunst der Fuge“, Karlheinz Stockhausen am Tag vor seinem Tod ein Auftragswerk. „Forever young“ könnte man meinen. Je nach Interpretation. Teresa Pieschacón Raphael

musik heute

15. März

Dresdner Klassik-Picknick mit Domingo und Lang Lang

Dresden/Berlin (MH) – Die Sächsische Staatskapelle Dresden und die Gläserne Manufaktur von VW feiern in diesem Sommer zum zehnten Mal "Klassik picknickt". Bei der Jubiläumsausgabe des Open-Air-Konzerts gastieren der chinesische Pianist Lang Lang und als [...] The post Dresdner Klassik-Picknick mit Domingo und Lang Lang appeared first on MUSIK HEUTE .






Crescendo

22. November

Kontrovers: die Stadion-Aida - Was bringt Domingos viel zu große Opern-Show?

Placido Domingo plant mit einer “Aida”-Produktion durch Fußballstadien zu tingeln. Man könnte Klassik auch anders unter das Volk bringen, findet unser Kolumnist. Von Axel Brüggemann Groß, größer – Domingo. Es gibt wohl keinen lebenden Sänger, dessen Karriere so gigantisch, so vielfältig und in allen Belangen so genial verlaufen ist wie jene von Placido Domingo (und auch unter den Nichtlebenden wird es schwer, einen wie ihn zu finden). Domingo das Zarzuela-Kind, das Tenor-Genie, die Jahrhundert-Stimme, der Drei-Tenöre-Miterfinder, der Intendanten-Aufmischer in Los Angeles und der zumindest schmackige Dirigent. Anders als viele andere Sänger hat er es geschafft, auch im hohen Alter (offiziell gibt er 75 Jahre an) würdevoll weiter zu machen. Standbeine hat er genug, und selbst als Sänger ist er noch immer beeindruckend, etwa als Macbeth in Wien oder als Gianni Schicchi auf der aktuellen Sony-DVD, als Nabucco oder Francesco Foscari auf den Bühnen der Welt. Der Mann hat in seinem Leben ziemlich vieles ziemlich richtig gemacht – und seine Stimme ist wahrlich gesegnet. So einer wie Domingo darf inzwischen alles. Und diese Freiheit nimmt er sich. Sein neuester Scoop ist allerdings ein wenig fragwürdig. Im Sommer 2017 will er Verdis „Aida“ als Massen-Produktion durch Europa touren lassen: Gelsenkirchen, Hamburg, Wien, Frankfurt, Brüssel, Paris und Stockholm – das große Triumph-Marsch-Finale soll dann im Münchner Olympiastadion stattfinden. Domingo selber fungiert als künstlerischer Direktor und als Dirigent, die Regie soll Stefano Trespidi übernehmen, ein enger Mitarbeiter Domingos in Los Angeles, geschult in der Arena von Verona und Ziehkind von Opulenz-Opernmachern wie Franco Zeffirelli, Giancarlo Del Monaco und Graham Vick. Mit anderen Worten: Es dürfte solide, golden und prunkvoll zugehen bei dieser „Aida“ samt LED-Leidnwänden. Die Werbung läuft bereits großmäulig auf Hochtouren: „Aida – The Stadium World Tour“, „Das monumentale Opern-Erlebnis 2017“, „Aida – faszinierend wie nie!“ Neues Publikum? – Kaum! Domingo selber glaubt, dass Veranstaltungen wie diese „Aida“ ein neues Publikum zur Oper bringen würden. Genau das sagt er schon seit Jahrzehnten. Auch, wenn man ihn auf die „Drei Tenöre“ anspricht, erklärt er routinemäßig, wie viele neue Zuschauer Big P., José Carreras und er durch ihr gemeinsames Auftreten für die Oper gewonnen hätten. Statistisch lässt sich das schlecht beweisen. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass sich diejenigen, die sich eine „Drei Tenöre“-CD gekauft haben anschließend auch die Gesamtaufnahme von „Otello“ zugelegt haben. Es geht an dieser Stelle um die Frage, wann klassische Musik es schafft, zum Event zu werden – und ob sie das überhaupt schaffen muss. Bei Domingo funktioniert das inzwischen so, dass es reicht, wenn er ein Event bekanntgibt. Im Fall der „Aida“ ist das Rest-Ensemble dann auch relativ egal (Liudmyla Monastyrska, Ekaterina Gubanova, Jorge de Leon und Erwin Schrott sollen an dieser Produktion mitwirken). Die Klassik – und die Oper allemal – hat es heute schwer, überhaupt noch durchzudringen. Rezensionen auch aus kleineren Häusern sind weitgehend aus den überregionalen Feuilletons verschwunden. Im Internet, aber auch im Print, kommt sie hauptsächlich in Nischen vor, auf speziellen Seiten oder in Fachmagazinen – hier erreichen sie ein Publikum, das bereits klassisch sozialisiert ist. Wenn die Oper dann doch einmal in die breite Öffentlichkeit gelangt, ist sie meist an große Namen oder besondere Orte gebunden: Egal, wo Anna Netrebko mitsingt – allen ihre Mitwirkung scheint für viele Medien bereits ein Garant zu sein, dass ein öffentliches Interesse besteht. Oder es sind die großen Festivals, die Open-Air-Events, die „aufgeblasene Oper“, die einen Widerhall in einer breiten Öffentlichkeit bekommt. Echoräume der Klassik Wenn wir derzeit so viel über „Echoräume“ sprechen, darüber, dass Menschen auf Grund einer sich wandelnden Medienlandschaft nur noch von jenen Nachrichten erreicht werden, die sie sowieso interessieren, dann ist auch die Klassik längst in einem Echo-Raum eingerichtet, in dem allerhand Freaks (und das ist liebevoll gemeint) sich gegenseitig Fachwissen und Meinungen um die Ohren hauen. Die Momente, in denen sie diesen Raum verlässt, sind dabei nicht immer Erfolgsgeschichten: Etwa die unsägliche „Traviata“ von Sofia Coppola und Valentino, die kürzlich ausgestrahlt wurde, aber auch Veranstaltungen wie der „ECHO Klassik“ sind zwiespältig. Etwa wenn die Veranstaltung von Thomas Gottschalk bereits mit einer Art „Beipackzettel“-Moderation eröffnet wird, dass es nun wirklich sehr schwer würde, und dass er sich wundert, wie man das durchalten soll – schließlich ginge es ja nun um – oh Gott! – klassische Musik. Kein Wunder, dass die Zuschauerkurve nach dieser Anmoderation ziemlich schnell nach unten gefallen ist. Vielleicht wäre es an der Zeit, darüber nachzudenken, wie man die Klassik besser aus ihren Echoräumen holen könnte. Was die Musik so besonders macht ist zunächst ihre Schönheit, die Möglichkeit des pathetischen Ausdrucks, etwas ausdrücken zu können, das in anderen Künsten auf diese Art vielleicht nicht auszudrücken ist. Vielleicht ist es auch die Leidenschaft der Künstler, die Atmosphäre des Kunstortes, der den Charme der Musik ausmacht. Zu beobachten wäre all dieses übrigens an fast allen deutschen Stadttheatern. Domingos „Aida“-Projekt und ein Großteil der klassischen Musik, wie sie in unseren überregionalen Medien vorkommt, scheint indes zu glauben, dass Stars und Größe automatisch dafür sorgen, ein neues Publikum langfristig an die Musik zu binden. Eine These, die zumindest bezweifelt werden darf: Das große Entertainment und das gleichzeitige, scheinbare Kleinmachen und Lustigreden der Musik ist eben nicht, worum es in dieser Kunst eigentlich geht. Klassik ist immer auch die Lust daran, sich einzulassen, hinzugeben, das Außen abzuschalten, Zeit zu haben, weiter zu suchen – dem Unerreichbaren auf der Spur zu bleiben. Mit anderen Worten: Das Bild der leicht konsumierbaren Kunst ist ein Trugbild, das spätestens beim ersten richtigen Opernbesuch oder beim Kauf einer Gesamtaufnahme einen herben Dämpfer bekommt. Die Verpackung des Events verspricht ein falsches Geschenk, denn nach dem Auspacken ist die klassische Musik viel größer, viel tiefer, viel fordernder als all das, was uns oft so bunt und kleingeredet vorgegaukelt wird. Es ist schwer, einen Dinosaurier in eine Ringschachtel zu packen. Warum nicht Wozzeck? Natürlich ist es zunächst einmal ein gutes Anliegen, Opern überhaupt „unter das Volk“ zu bringen. Aber wie wäre es, wenn Placido Domingo einmal auf „Wozzeck“ setzen würde oder auf „Parsifal“. Ja, warum überhaupt trauen sich Opern-Vermittler wie Domingo oder andere nicht an Werke, die uns und unserer Wirklichkeit viel mehr zu sagen hätten: „Blaubarts Burg“, „Die Soldaten“, „Lulu“, „Moses und Aron“ – all das sind längst ebenfalls Opern-Klassiker, die unserer Zeit entsprechen, weil sie radikal sind, kantig und kontrovers. Und was, wenn das Fernsehen statt vieler kleiner Häppchen wagen würde, einen Marathon zu präsentieren, eine komplette Oper mit Blicken hinter die Kulissen, mit leidenschaftlichen Gesprächen – einen Abend, auf den man sich einlassen muss. Ein TV-Event, das nicht am Kern der Musik vorbei segelt, sondern den Kern an sich immer wieder thematisiert: die Leidenschaft, das Große, das Komplexe? Mit Formaten wie „Aida im Olympiastadion“ hat die Musik zwar die Chance, auch in andere Echoräume zu dringen, aber dafür macht sie sich in all ihrer Aufgeplustertheit kleiner als sie eigentlich ist. Sie suggeriert ihre Größe lediglich als Spektakel, das an den außergewöhnlichen Ort und an die außergewöhnliche Ausstattung gebunden ist. Das wahre Spektakel der Oper aber ist ihre Intimität. Diese Nähe könnte man in vielen Städten allabendlich an Stadttheatern erleben. Wäre das nicht wirklich revolutionär und populär, wenn man Deutschlands Opernszene multimedial vernetzen würde. Schließlich funktioniert die Bundesliga auch, obwohl es neben Bayern auch den HSV und Werder Bremen gibt. Warum kehren unsere Medien nicht an das Stadttheater zurück, wo Klassik Arbeit, Leidenschaft und alltägliche Auseinandersetzung bedeutet? Meine Vision für die Oper im Fernsehen der Zukunft: Die Live-Übertragung aller Stadttheater-Premieren auf einem eigenen Sender (oder Stream), so dass sich die einzelnen Häuser in Deutschland an ihren „Aidas“, „Traviatas“ und „Carmens“ vergleichen lassen können, uns aber auch ihre „Wozzecks“, „Blaubärte“ und „Lulus“ zeigen. Das würde ganz nebenbei übrigens auch die etwas eigeschlafenen Ambitionen der Häuser wecken. Die überregionalen Feuilletons unserer Zeitungen haben die Stadttheater längst aufgegeben. Es ist Zeit, dass das Fernsehen oder das Netz sie zurückerobert – und das Publikum, das in Oldenburg, Nürnberg oder Leipzig seine eigene „Aida“ sehen könnte. Vielleicht ohne Placido Domingo – dafür aber nahe an den Künstlern und ohne die Oper über Preis und gleichsam mit billigem Klischee zu verkaufen.

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